Schweigen schützt die Falschen

„Wir der Verband und die Vereine haben die Aufgabe, die jungen Sportlerinnen und Sportler in ihrer Entwicklung optimal zu begleiten und sie gleichzeitig vor Gefahren zu schützen. Kinderschutz ist daher ein ganz wichtiges Thema, das wir auch in Westfalen aktiv angehen.“ So hat sich das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) klar positioniert.

Zusammen mit den Fußball- und Leichtathletikverbänden und dem Landessportbund NRW unterstützt der FLVW die Aktion „Schweigen schützt die Falschen“. Aufmerksamkeit und Prävention sind Themen der Aktion, an der sich – so die Bitte des FLVW-Präsidiums – alle Vereine beteiligen sollen.

Handlungsempfehlungen für Vereine

"Hinschauen und darüber reden" sind die klaren Handlungsempfehlungen für Vereine. Nur dann können entsprechende Situationen richtig eingeschätzt und angemessen darauf reagiert werden. Ein offener und klarer Umgang mit dem Thema ist darüber hinaus eine Voraussetzung dafür, dass Betroffene sich bei Problemen anvertrauen. Eine eindeutige und nach außen sichtbare Haltung des Vereins macht deutlich, dass sexualisierte Gewalt und Grenzüberschreitungen nicht geduldet werden, was somit potentielle Täter abschreckt.

Fünf Schritte zum vorbeugenden Umgang mit dem Thema

1. Vereinsinterne Strategie zum Umgang mit dem Thema verabschieden (ggf. Rat durch externe Experten einholen)

2. Eignungsprüfung der Vereinsmitarbeiter/-innen (ggf. ­erweitertes Führungszeugnis/Ehrenkodex)
Bevor man eine Person als Betreuer/Trainer einer Jugendmannschaft einsetzt, sollte man dessen Eignung prüfen. Ein Gespräch mit dem ehemaligen Verein, das (regelmäßige) Vorlegen eines erweiterten Führungszeugnisses und/oder das Unterzeichnen eines Ehrenkodex können dazu Anhaltspunkte geben. Wichtig ist es, dies in Absprache mit dem betroffenen Trainer zu tun, schließlich will man keine Hürden aufbauen, sondern nur sichergehen, dass die Kinder auch in guten Händen sind. Dies ist im Interesse aller im Jugendsport tätigen Personen.

3. Benennung und Qualifizierung eines Ansprechpartners/einer Ansprechpartnerin im Verein
Vereinsinterne Qualifizierungen zum Thema sind ein weiterer Schritt zur Prävention.

4. Schaffung von Angeboten zur Prävention für Kinder und Jugendliche
Auch im Sportverein muss es darum gehen, Kinder zu ermutigen „NEIN!“ zu sagen. Die Aufbereitung des Themas durch Experten vermittelt dieses Selbstvertrauen und ermöglicht einen angstfreien Umgang der Kinder mit dem Thema. Auch hier stehen wir Ihnen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

5. Interne und externe Darstellung: „Wir beugen sexualisierter Gewalt vor!“
Klare Regeln, was Trainer dürfen und was nicht, helfen, das eigene Verhalten selbst einzuschätzen. Die Einhaltung der vereinbarten Regeln kann Trainer und Betreuer auch vor falschen Verdächtigungen schützen.

Umgang mit Verdachtsfällen

Verdachtsäußerungen sollte man ernst nehmen und gewissenhaft prüfen. Wichtig ist es, nicht selbst zu ermitteln! Dies könnte spätere Nachforschungen der Polizei behindern. Stattdessen sollte man zügig Rat bei entsprechenden Anlaufstellen suchen.

In den Fußball- und Leichtathletikverbänden innerhalb des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV) wurden dazu Anlaufstellen eingerichtet. Dort bekommen Sie eine erste Hilfe. Der Ansprechpartner kann Dinge neutral ordnen, zu weiteren Stellen vermitteln und Ihnen Empfehlungen zum weiteren Vorgehen aussprechen.

Einem Kind das Gefühl zu geben, dass es lügt oder übertreibt, wäre ebenso falsch wie den Beschuldigten vorzuverurteilen. Hier muss im Sinne des betroffenen Kindes und nicht über dessen Kopf hinweg gehandelt werden. Alles sollte in enger Absprache entschieden und entsprechende Schritte eingeleitet werden. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und mit einer professionellen Anlaufstelle Kontakt aufzunehmen.

Weitere Informationen

Sportjugend, LandesSportBund NRW und DFB bieten umfangreiche Informationsmaterialien, Schulungsangebote, Informationen zu rechtlichen Grundlagen bis hin zu Vorlagen für den Ehrenkodex.

  • Deutsche Sportjugend im DOSB: „Gegen sexualisierte Gewalt im Sport - ­Kommentierter Handlungsleitfaden für Sportvereine zum Schutz von Kindern und ­Jugendlichen“, Frankfurt a.M. 2013 - zu beziehen über die Sportjugend (hier klicken).  
  • Landessportbund Nordrhein-Westfalen / Ministerium für Familie, Kinder, ­Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen: „Schweigen schützt die ­Falschen! - Initiativen und Materialien zur Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport.“ "Schweigen schützt die Falschen" (Ansprechpartnerin: Dorota Sahle, Referentin Gender Mainstreaming, Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport; Telefon: (02 03) 73 81 847, E-Mail: dorota.sahle(at)lsb-nrw.de.)
  • Hilfeportal Sexueller Missbrauch des Arbeitsstabs des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

Zudem gibt es vom DFB, dem LSB und der DSJ weiterführende Informationen in Form von Broschüren und Handzetteln. Die Links zu den jeweiligen Portalen finden Sie im rechten Seitenbereich.