Acht Medaillen für Westfalen bei den DLV-Titelkämpfen in Braunschweig

Vier westfälische Athleten konnten bei den 112. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig ihren glanzvollen Auftritt jeweils mit einer Goldmedaille veredeln. Darüber gab es für die Starterinnen und Starter aus dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) jeweils zweimal Silber und Bronze. Erstmals durften nach mehr als einem Jahr wieder Zuschauer die Wettkämpfe im Eintracht-Stadion verfolgen – jeweils 2.000 pro Tag.

Eine Goldmedaille sicherte sich Daniel Jasinski – fast mit Ansage. Der deutsche Jahresbeste zeigte im Diskus-Wettkampf, warum er der Mann der Stunde in dieser Disziplin ist. 65,08 Meter weit flog sein Diskus bei schlechten Wetterbedingungen. Das konnte keiner der starken Konkurrenten toppen. Jasinski machte in keinem Moment den Eindruck, als würde er sich den Meistertitel nehmen lassen. Es ist sein erster Erfolg bei deutschen Meisterschaften: „Ich freue mich riesig, denn die Konkurrenz im Diskuswerfen ist zurzeit superstark und ich konnte mich mit einer relativ guten Weite durchsetzen. Es hatte angefangen zu regnen, aber am Ende sind die Bedingungen für alle gleich“, sagte der Olympia-Dritte von Rio. Hinter dem Wattenscheider liegt keine einfache Zeit. „Aber meine Familie, mein Vater, meine Kinder, meine Frau, alle haben mir immer gut zugesprochen. Und die Motivation meinerseits war immer wieder da. Es passt im Moment alles bei mir gut zusammen, so kann ich weitermachen“, sagte Daniel Jasinski mit Blickrichtung auf die Olympischen Spiele in Tokio. Nach seinem sicheren Titelgewinn in Braunschweig dürfte ihm das Olympia-Ticket niemand mehr nehmen.

Mohamed Mohumed verteidigt erfolgreich 5.000-Meter-Titel

Der ebenfalls glänzend aufgelegte Mohamed Mohumed (LG Olympia Dortmnund) verabschiedete sich im 5.000-Meter-Lauf vier Runden vor dem Ziel mit einer furiosen Tempobeschleunigung vom übrigen Feld und verteidigte in erstklassigen 13:30,79 Minuten souverän seinen Titel vor dem Düsseldorfer Maximilian Thorwirth (13:48,22 Min.) und dem Regensburger Simon Boch (13:53,53 Min.). Das ist die schnellste 5.000-Meter-Zeit, die seit 24 Jahren bei den deutschen Meisterschaften erzielt wurde.

Der Schützling von Pierre Ayadi legte bei seiner eindrucksvollen Vorstellung mit seinem raumgreifenden Schritt die letzten 1.000 Meter in 2:32 Minuten und die 400-Meter-Schlußrunde in 59,59 Sekunden zurück. Dabei war Mohamed Mohumed zwei Tage vor Braunschweig noch im spanischen Huelva über die Zwölfeinhalb-Runden-Distanz gestartet und hatte dabei seine persönliche Bestzeit auf hervorragende 13:21:21 Minuten gedrückt. Trotz dieser Doppelbelastung zeigte er im Eintracht-Stadion kein Spur von Müdigkeit. „Es ist viel eine Kopfsache, innerhalb von zwei Tagen zwei so schnelle Rennen abliefern zu können. Ich habe in den vergangenen Monaten zudem viel Grundlagentraining absolviert. Dadurch habe ich mich schnell wieder regeneriert“, begründete der erfolgreiche 5.000-Meter-Titelverteidiger seine erstaunliche Frische.

Manuel Sanders mit starkem Finish zum 400-Meter-Titel

Im 400-Meter-Finale setzte sein Teamkollege Manuel Sanders auf sein starkes Finish und war damit wie 2019 in Berlin wieder erfolgreich. In der hervorragenden Zeit von 45,88 Sekunden, die nur zwei Hundertstelsekunden über seiner persönlichen Bestleistung liegt, ließ er auf der Zielgeraden dem Potsdamer Jean-Paul Bredau (46,10 Sek.) und dem Chemnitzer Marvin Schlegel (46,11 Sek.), der mit 45,91 Sekunden Vorlaufschnellster war, nicht den Hauch einer Chance.

„Meine vergangenen Rennen waren für mich nicht optimal. Daher war es für mich wichtig, mir nach 2019 den 400-Meter-Titel wieder zurückzuerobern. Ich hatte früher das Problem, vorne ein wenig herumzubummeln. Das habe ich inzwischen unter Kontrolle, sodass ich hinten heraus meine Stärken ausspielen konnte", freute sich der überglückliche Viertelmeiler.

Erik Balnuweit holt sich Hürden-Gold in 13,61 Sekunden

Im 110-Meter-Hürden-Lauf hat es der inzwischen 32-jährige Erik Balnuweit allen noch einmal gezeigt. Der Hürdensprinter des TV Wattenscheid 01 gewann am Abend des ersten Wettkampftages den Titel in ausgezeichneten 13,61 Sekunden.

Im Finale profitierte der Routinier von einem klaren Fehlstart und der Disqualifikation seines jahrelangen Konkurrenten Gregor Traber. Erik Balnuweit zeigte dann beim Neustart des Rennens eine hochkonzentrierte Leistung, behielt die Nerven, hatte einen sehr guten Start – und zum Schluss genügend Stehvermögen, um sich alle Konkurrenten auf den letzten Metern vom Leib zu halten. Erik Balnuweit, mehrfacher deutsche Meister unter dem Hallendach, feierte seinen Sieg und ersten Titel unter freiem Himmel nach etlichen zweiten und dritten Plätzen anschließend ausgiebig.

„Ich bin super glücklich und super zufrieden“, sagte ein strahlender TVW-Sprinter nach dem Rennen, „es hat endlich mal geklappt, deutscher Meister draußen zu werden, dadurch war das alles sehr emotional. Ich hab es mir und auch anderen bewiesen, dass ich deutscher Meister werden kann.“

Marius Probst holt mit persönlicher Bestzeit Silber über 1.500 Meter

Marius Probst (TV Wattenscheid) holte sich über 1.500 Meter die Silbermedaille. Dabei war der Titelverteidiger auf dieser Distanz so schnell wie nie zuvor. Bei 3:35,88 Minuten blieb die Uhr für ihn stehen. Diese Zeit bedeutete für den angehenden Lehrer eine neue persönliche Bestleistung. Probst zeigte in einem ultraschnellen Rennen – dem schnellsten Meisterschaftsrennen seit Jahren über diese Distanz – im Schlussspurt das beste Stehvermögen der Verfolgergruppe und rannte vom fünften noch auf den zweiten Platz vor. „Ich bin noch nie so viel beglückwünscht worden wie für diesen zweiten Platz“, sagte Marius Probst nach dem Rennen, „es ist am Ende doch irgendwie ein Traum. Natürlich ist der zweite Platz nicht das, was man am Ende will, aber mit der Zeit und den Umständen der vergangenen Wochen bin ich einfach unheimlich glücklich. Ich bin jetzt knapp an der Olympianorm vorbei, da fehlt nicht mehr viel. Vielleicht schaffe ich es noch.“

Bronze sicherte sich Teamkollegin Djamila Böhm über die 400-Meter-Hürden in 58,29 Sekunden. „Die Medaille war mein Ziel und das ist super“, so die Wattenscheiderin, „mit der Zeit bin ich leider gar nicht glücklich. Ich habe seit meiner Corona-Impfung einfach große Probleme bei der Energiebereitstellung und hoffe, dass diese im Hinblick auf die nächsten Rennen bald der Vergangenheit angehören.“

Monika Zapalska wiederum auf dem Bronze-Rang

Der Hochsprung der Männer litt im Eintracht-Sadion unter dem einsetzenden Regen, sodass er früher als erhofft zu Ende war. Nur der neue deutsche Meister Tobias Potye (LG Stadtwerke München) meisterte die Höhe von 2,20 Metern. Falk Wendrich (LAZ Soest), für den in der Vergangenheit nicht immer alles glatt lief, gefiel bei den wenig leistungsfördernden Bedingungen als Vizemeister mit 2,16 Meter. Der Soester bezwang unter anderem den amtierenden Europameisters Mateusz Przybylko (Bayer Leverkusen / 4. mit 2,12 Meter).

Im 100-Meter-Hürdenlauf der Frauen hatte sich Monika Zapalska (LC Paderborn) eine Medaille zum Ziel gesetzt – und ihre Hoffnung ging in Erfüllung. In 13,34 Sekunden (Vorlauf 13,31 Sek.) erkämpfte sich die 27-jährige Paderborner die Bronzeplakette. Gerne hätte sie eine andere Medaillen-Farbe gewonnen, denn sie war in der Vergangenheit bei deutschen Meisterschaften schon mehrfach Dritte.