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Steffi Jones in Kaiserau über Talentförderung im Mädchen- und Frauenfußball

27.01.2012

Sie saßen am Tisch, an einem sehr großen. Damit auch alle Platz hatten im Sporthotel des SportCentrums Kamen•Kaiserau. Vertreter der Sportstiftung NRW, der Landesregierung, Landessportbund (LSB), Deutscher Fußball-Bund (DFB),Westdeutscher Fußball-und Leichtathletikverband (WFLV), Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sowie Fußball-Verband Mittelrhein (FVM). Ihr Thema: Künftige Talentförderung im Mädchen- und Frauenfußball.

„Eine Standortbestimmung nach der Frauen-WM“, nannte es Steffi Jones, DFB-Direktorin Frauen-, Mädchen-, Schulfußball, „und wohin geht der Weg weiter?“  Für Wolfgang Möbius, Abteilungsleiter Nationalmannschaft und Talentförderung beim DFB, ist die Richtung klar: Hin zur Elite 2020, hin zu einer goldenen Generation.  Die  Spitze in der Welt werde immer dichter, das bedeute, dass der DFB eine noch stärkere Elite brauche und die individuelle Klasse der Spielerinnen weiter verbessert werden müsse. Möbius:  „Wir wollen zum Trendsetter in der  Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs werden.  Zwar haben DFB-Frauenmannschaften seit 2001 jedes Jahr einen internationalen Titel geholt, die  Spitzenposition kann aber noch  ausgebaut werden. So fehlt beispielsweise noch Olympia-Gold.“  Auf jeden Fall  soll die  Bundesliga zur besten Liga der Welt gestärkt werden.

Frühere Sichtung und Förderung von Talenten

Stellt sich natürlich die Frage, wie man das Bestehende noch weiter optimieren kann?  Beispiele nannte Wolfgang Möbius:  Frühere Sichtung und Förderung von Talenten, Perspektivspielerinnen  bis 2020 fördern und sie während  ihrer sportlichen Karriere auch schulisch und beruflich zu begleiten (duale Karriere). Stützpunkte bedarfsgerecht erweitern, Eliteschulen verzahnen mit DFB, Landesverbänden und Stützpunkten. Dazu könnten auch eine Reform des Länderpokals,  Kooperationen mit dem Schulfußball, DFB-Feriencamps oder eine bundesweite Talentiade mit den Grundschulen (3./4. Klasse) gehören. Abschließend machte Möbius klar, dass man mit diesen Gedanken   dem DFB-Präsidium vortragen wolle. Hermann Korfmacher, WFLV-Vorsitzender und DFB-Vizepräsident, kann sich vorstellen, dass der DFB bereit ist, diesen Weg zu gehen.

Norbert Wetzeler, FVM-Jugendbildungsreferent, stellte das Konzept zur Talentsichtung und Talentförderung vor, dass  in Zusammenarbeit mit der Sportstiftung NRW bereits im Jahr 2001 ins Leben gerufen wurde. Das reicht von der Forderung nach Ausbildung von talentierten Spielerinnen (12 bis 17 Jahre) mit Hilfe eines einheitlichen, flächendeckendes Fahrplanes, über Aufbau eines Stützpunktsystems, soziale Betreuung der Talente, Anpassung der Verbandsstrukturen an die jeweilige Projektanforderung, Einrichtung einer U17-Bundesliga bis hin zu einer konstruktiven und sinnvollen Zusammenarbeit  aller Landesverbände und Finanzierung  der Maßnahmen.

U17-Bundesliga startet im Sommer

Eine dieser Forderungen wird bereits in diesem Jahr umgesetzt. Denn: Die U17-Bundesliga startet in diesem Jahr mit jeweils zehn Mannschaften in drei Staffeln. Das gab Heike Ullrich, DFB-Abteilungsleitern Spielbetrieb Frauen- und Mädchenfußball, bekannt. „Dieser Liga muss man eine Chance geben.“  DFB-Trainerin Maren Meinert  plädierte für ein Doppelspielrecht der Mädchen – so sollen Spitzenspielerinnen sich so lange wie möglich mit Jungen messen können. Förderlich sei auch  eine enge Kooperation zu Schulen.  Wolfgang Fischer, vom NRW-Sport-Ministerium, wies darauf hin, dass man die Talente nicht nur zur richtigen Schule bringen, sondern ihnen auch Optionen danach eröffnen müsse. Bundeswehr oder Polizei wären da Alternativen, ebenso nützlich Kontakte zu Laufbahnberatern, wie sie beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Zuhause sind. Schließlich könne man vom Frauenfußball nicht leben. Diese Anmerkung machte Maren Meinert, einst auch Nationalspielerin, aus eigener Erfahrung.

Wie man Elitefußballerinnen entsprechend fördern kann, das  machte FLVW-Verbandssportlererin und Internatsleiterin Kathrin Peter, am Beispiel der Eliteschule im SportCentrum Kamen•Kaiserau deutlich. Dort leben Spitzentalente der U15 bis U20 montags bis freitags, besuchen dort ortsansässige Schulen mit Förderung der schulischen und beruflichen Entwicklung, haben eine optimale sportliche Ausbildung und medizinische Betreuung, spielen am Wochenende in ihren Heimatvereinen und erhalten sich die Nähe zur Familie und Freunden. Wie gut diese Art der Förderung ankommt, beweist die Tatsache, dass derzeit zwölf Bewerbungen für das neue Schuljahr für die „zweite Generation“ (Jahrgänge 1997‘/98) schon wieder vorliegen. Kathrin Peter: „Wir alle arbeiten gemeinsam für den Erfolg.“

So sahen es auch die Tagungsteilnehmer, die gemeinsam den Weg zur Optimierung des leistungsorientierten Frauen- und Mädchenfußballs gehen wollen. Hermann Korfmacher brachte seine Eindrücke auf den Punkt: „Die vier Partner machen uns Mut. Wir sind auf einem guten Weg und werden jetzt den DFB über diese Ergebnisse unterrichten. Die Hausaufgaben sind gemacht.“ Dem schloss sich Steffi Jones an: „Es muss weitergehen, wir wollen gemeinsam den Weg gehen, Sport, Politik und Wirtschaft.“

Bildzeilen: (Fotos: Klaus Hartmann)
Bild 1: Von links: FLVW-Präsident Hermann Korfmacher, Steffi Jones und Verbandssportlehrerin Kathrin Peter leiteten die Diskussion.

Bild 2: Steffi Jones

Von: Eckhard Albrecht