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Lehrstunde in namibischer Lebensfreunde für Jones, Künzer und Carlson

02.08.2010

Singend, klatschend und sehr synchron wärmte sich die namibische U20-Frauen-Nationalmannschaft auf. WM-OK-Präsidentin Steffi Jones und die WM-Botschafterinnen Nia Künzer und Britta Carlson hatten anfangs sichtlich Mühe, mit dem afrikanischen Rhythmus mitzuhalten. Eigentlich sollten die drei Welt- und Europameisterinnen dem namibischen Fußballnachwuchs im SportCentrum Kamen•Kaiserau bei einer Übungseinheit Tipps und Tricks vermitteln. Doch erst gab es ein kurze Lehrstunde in namibischer Trainingsmethodik und Lebensfreude für die Deutschen.

Auf Platz 1 des SportCentrums ging es hoch her. Nach den Aufwärmübungen übernahmen dann die deutschen Damen das Zepter. Den Technikübungen folgte der Torschuss und schließlich ein Abschlussspielchen. Sicherlich einer der Höhepunkte des vierzehntägigen Aufenthaltes der Nationalmannschaft in Kamen•Kaiserau.

Vom traditionsbewussten Nomaden-Stamm nach Windhoek

Eine ungewöhnliche Frau mit einer ungewöhnlichen Geschichte blieb beim Schusstraining Zaungast: Mamie Kasaona (18), Defensivspielerin der namibischen Mannschaft und des Meisters „Okahandja Beauties“ aus Windhoek konnte wegen einer Knieverletzung nur leichtes Training absolvieren. Sie ist gebürtige Himba, ein traditionsbewusster Nomaden-Stamm, der im Nordwesten des Landes nach wie vor nach den überlieferten Gesetzen der Vorfahren lebt.

Normalerweise wäre Mamie jetzt verheiratet und wahrscheinlich schon Mutter, wenn sie nicht die Beerdigung des Onkels geschwänzt hätte („ich wusste, dass dort die Ehen angebahnt werden“) und ein Scouting-Team ihr Talent nicht entdeckt hätte. 2006 startete der namibische Fußballverband (NFA) eine landesweite „Womens awareness-campaign“. Mamie nahm teil und lebt nun bei Trainerin Jacqui Shipanga in Windhoek und studiert: Lehrerin will sie werden. Die junge Defensivspielerin gab WestfalenSport am Rande der Trainingseinheit ein kurzes Interview.

WestfalenSport: Fußball spielen in Namibia ist sicherlich mit anderen Unwägbarkeiten, auch aus dem traditionellen Verständnis heraus, verbunden. Sind Sie nicht auch eine Pionierin?
Mamie: Nein, es ist mittlerweile auch in Namibia leichter geworden, Fußball zu spielen. Wir haben inzwischen eine eigene Liga. Natürlich ist es eine Herausforderung, aber das ist es immer.

WestfalenSport: Dennoch spielen Sie eine Vorreiterrolle …
Mamie: Nein, ich sehe mich selbst nicht als Pionierin. Es ist am Ende des Tages eine Frage des Charakters, das zu erreichen, was man sich zum Ziel gesetzt hat. Und eine Frage des Einsatzes, seine Wünsche wahr werden zu lassen.

WestfalenSport: Sind Ihnen Steffi Jones, Nia Künzer und Britta Carlson ein Begriff?
Mamie: Ja, ich kenne Steffi Jones. Sie war schon zu Besuch in Namibia. Und natürlich als Präsidentin des WM-Organisationskomitees für 2011. Für die WM haben wir uns leider nicht qualifiziert.

WestfalenSport: Haben Sie auch  ein paar Spiele bei der U20-WM im Stadion verfolgt?
Mamie: Ja, in Bochum und Bielefeld: Ghana, Schweiz, Mexiko, Nigeria, Deutschland gegen Süd- und auch Nordkorea.

WestfalenSport: Wer wird Weltmeister?
Mamie: Ich denke, Deutschland wird Weltmeister. Sie sind sehr zielstrebig und haben das beste Team. Außerdem haben sie mit Alexandra Popp eine herausragende Spielerin, die aus allen Lagen trifft.

WestfalenSport: Würden Sie gerne in der Bundesliga spielen?
Mamie: Für jeden Verein. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich nach Deutschland kommen. Das wäre toll!

WestfalenSport: Hat Ihnen der Aufenthalt gefallen?
Mamie: Sehr! Und ich würde gerne wiederkommen. Wir konnten uns für die WM 2011 leider nicht qualifizieren, wurden aber, wie auch dieses Jahr, wieder eingeladen.

WestfalenSport: Danke für das Gespräch!

Bildzeilen:
Bild 1: Britta Carlson fügte sich schnell ein

Bild 2: FLVW-Präsident Hermann Korfmacher (3. v. l.) mit der namibischen U20-Frauen-Nationalmannschaft und den WM-Botschafterinnen Nia Künzer (4. v. l) und Britta Carlson (M.) sowie der Chefin des Organisationskomitees für die Fußball WM 2011, und Steffi Jones (r.)

Bild 3: Mamie Kasaona (l.), die junge Frau vergisst ihre Himba-Wurzeln nicht

 

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