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Die Zukunft heißt 50+

21.11.2011

Wenn Sport ab 50 Jahren nur noch vor dem Fernseher, bestenfalls im Kunststoff­sitz des Stadions stattfindet, haben die Vereine ihre Aufgabe nicht erfüllt. Darum lud die PSV Recklinghausen am 16. Oktober interessierte Bürger ein, gemeinsam mit den befreundeten Vereinen Turboschnecken Lüdenscheid sowie der ETG Recklinghausen Erfahrungen auszutauschen und an Sportaktionen teilzunehmen. Wiltrud Zimmermann von der Polizeisportvereinigung Recklinghau­sen und Beisitzerin des FLVW im Freizeit- und Breitensportausschuss führte durch das Programm „50+ - natürlich fit – wir machen mit!“.

Als beson­deren Gast konnte sie Dr. med. Ulrich Schneider von der Sportklinik Hellersen vorstellen, der in seinem Vortrag die Bedeutung von Bewegung und Sport auch in der 2. Jugend betonte. Sport kennt keine Grenzen, schon gar nicht die des Alters. Dabei kann jede Sportart ausgeübt wer­den, wenn man sie sich zutraut und keine medi­zinischen Gründe dagegen sprechen. Spontan mel­dete sich Frau Tomasczewski, Teilnehmerin aus Herten, zu Wort: „Ich habe mit 59 Jahren ange­fangen, Inline-Skating zu lernen und fahre es heute noch. – Ich bin jetzt 70 Jahre alt! Aber meine Inliner liegen immer im Auto bereit.“

Es muss nicht die erbrachte Höchstleistung im Alter sein, gerade die moderate, leich­te sportliche Aktivität bringt großen Nutzen für den Alltag. Sport hat dieselben Vor­teile wie die Einnahme gewisser Medikamente oder kann sogar Eingriffe im Koronarbereich er­setzen. Schwerpunkte des al­ters­orientierten Sportes sollten Ausdauer, Kraft­training und Flexibilitätsübungen sein. So man­cher Leistungssportler wird hier die Unter­schiede zu den Anforderungen seiner Sportart suchen – vergeblich. Was sich ändert, ist der Blickwinkel: Nicht mehr die Leistung steht im Vordergrund, sondern der eigene Körper mit sei­nen Bedürfnissen. Körper­erfahrung, Körperkoor­dination und ein gesundes Verhältnis zur Aus­dauer sind nun wichtig. Dieser Perspektiv­wechsel lässt dann auch zu, auf Erkrankungen zu reagieren, z.B. wird dann mit niedriger Inten­sität, aber häufigerer Wie­derholung gearbeitet. Gerade Krafttraining und Körperkoordination dienen der Sturzprophylaxe im Alter, sind die Lebensversicherung, die beim angeleiteten Sport von Anfang an Spaß macht. Die Wahl der Sportart ist jedem freige­stellt. Daher sollten die Vereine des FLVW ein möglichst breites Spektrum an Aktivitäten für diese Altersgruppe bereithalten. Um eine Bandbreite an Sportmöglichkeiten vorzustellen und darüber einen Erfahrungsaustausch zu initiieren, auch dazu diente diese Veranstaltung, die vom Landessportbund NRW unterstützt wurde.

Wenn man ohne Einschränkungen sa­gen kann: „Ich fühl’ mich fit!“ trägt das zu einer hohen Lebensqualität bei.

Bei einer Befragung über die Motive für den Sport 50+, wurden (in dieser Reihenfolge) die Motive Entspannung, Spaß, Fitness und Gesellig­keit genannt. Mo­tive wie Leistung und Wettkampf sowie Abenteuer und Risiko rangieren auf den letzten Plätzen.

Wie mit Freude und Spaß sportliche Aktivität gelingen kann, zeigten im Anschluss die Turbo­schnecken , die eigens mit ihrer „Oberschnecke“ Brigitte Klein angereist waren, unter der Leitung von ihrer Übungsleiterin Christa Thimm mit einem Aufwärmprogramm für alle. Danach wurden alle Anwesenden eingeladen, mitzumachen. Die Sitzbänke waren bald fast leer und die Teilnehmer bunt gemischt beim Sport. Hanne Schmücker von der PSV Recklinghausen führte in die vielfälti­gen Verwendungsmöglichkeiten des „Redondoballes“ ein, Martina Brandau (auch PSV) und Margret Thomas (ETG Recklinghausen) zeigten Übungen mit Einfachstmaterialien, hier dem selbstgefertigten „Erbsensäckchen“, das mit seinen ca. 300g Gewicht spätestens auf der aus­gestreckten Fußspitze mehr Probleme bereitete, als man ihm anfangs zugetraut hätte. Danach wartete Margret Kurdelbaum (PSV) mit flotten Tänzen zum Mitmachen auf. Wer bis dahin dachte, dass gezieltes Training zur Sturzprophylaxe keinen Spaß macht, wurde von Christa Thimm eines Besseren belehrt. Den Ab­schluss bildete eine Schokoladenmeditation, die von allen Teilnehmern begeistert aufgenommen wurde. Dabei zerging die Schokolade auf der Zunge aller Besucher.

Peter Schywek, angereist als Vertreter des FLVW, betonte in vielen Einzelgesprächen die Wichtigkeit des Ausbaus des Sportbereiches „50+“ (Sport für Junggebliebene), zumal in ihm viele vereinstragende Po­tentiale ruhen. Helmut Bartnik als Vertreter der Freizeit-und Breitensportabteilung der PSV ließ es sich zum Ab­schluss nicht nehmen, den ca. 100 Teilnehmern für ihr Kommen zu danken, vor allem aber die Arbeit der Übungsleiterinnen und der Veranstal­terin mit einem Präsent anzuerkennen. Bartnik verstand die Veranstaltung wegen ihrer Bedeu­tung für den Breitensport als Auftakt für wie­derkehrende Treffen über die Vereinsebene hinaus, um die Entwicklung dieser Vereinsabteilungen zu entfalten.

Michael Nölke