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Weltklasse-Geherinnen ohne Meisterschaftswertung?

27.01.2012

Diese Meisterschaft könnte in die Geschichte eingehen, weil sie gar keine ist: Für die Deutschen Meisterschaften im Bahngehen, die am kommenden Sonntag im Rahmen der Titelkämpfe der Mehrkämpfer ausgetragen werden, haben sich lediglich zwei Frauen angemeldet. Das hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) heute gegenüber dem TV Wattenscheid 01 bestätigt.

Foto: Peter Middel

Sollte es dabei bleiben, dürfte das Geherinnen-Duo zwar in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle an den Start gehen; eine Meisterschaftswertung würde es jedoch nicht geben. Betroffen wäre auch die Wattenscheiderin Sabine Krantz, die so keine Chance hätte, ihren Titel über 3.000 Meter zu verteidigen. Krantz war am Mittwochabend von ihrer Dauerkonkurrentin Melanie Seeger (Potsdam) per E-Mail über die Entwicklung informiert worden und sagt: „Ich werde gehen, auch wenn ich allein auf der Bahn stehe, egal. Ich hatte die ganze Sache nicht mitbekommen, weil ich mich nicht um die Listen kümmere. Ich will immer nur starten.“ Gut möglich, dass es tatsächlich ein einsamer Gang wird – wenn Melanie Seeger angesichts der Entwertung des Wettkampfs nicht in den Ruhrpott anreist. Sabine Krantz vermutet, dass der Aufwand für einige Vereine zu groß ist, wenn sie Anreise und Unterkunft lediglich für eine Geherin organisieren müssen: „Früher war die DM im Zusammenhang mit den regulären Deutschen Meisterschaften, da konnte eine Geherin halt in einem Bus mitfahren, der eh zur Meisterschaft fuhr. Wir waren ja zumindest immer vier, fünf Leute.“ Diesmal aber ist die Lage dramatisch mit nur zwei Anmeldungen. Sollte sich noch eine dritte Geherin zur Teilnahme entschließen, hätte sie natürlich bei Entrichtung der Nachmeldegebühr eine Bronzemedaille schon mal sicher. Es ist völlig offen, ob das passiert; denn da eine Norm vorgewiesen werden muss, ist der Kreis der Kandidatinnen sehr begrenzt.

Für seine Entscheidung, die Geher-Titelkämpfe von den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften abzukoppeln, hat der DLV auch aus Wattenscheid viel Kritik geerntet. Wattenscheids Manager Michael Huke sagt jetzt: „Aufgrund der Verlegung ist das Interesse auch bei den Athleten offensichtlich weiter gesunken. Dadurch sinkt auch der Stellenwert des Gehens insgesamt. So rückt eine Disziplin ohne Not weiter ins Abseits.“

 

Von: Michael Ragsch