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Hochsprung-Meeting mit Wohnzimmer-Atmosphäre

08.01.2012

In den zurückliegenden Jahren hat Siegfried Klapper Athleten beim internationalen Hallen-Hochsprung-Meeting der LG Kreis Gütersloh in Clarholz oft eine Absage erteilen müssen, weil die Kapazitätsgrenze in der Halle an der Wilbrandschule erreicht war. Bei der 9. Auflage dieses beliebten Hochsprung- Events hat der Cheforganisator nun im Rollentausch selbst eine Absage erhalten, die ihm sehr leid tat.

Fotos: Peter Middel

Eike Onnen (LG Hannover), der das Zugpferd in Clarholz sein sollte, konnte in der Wilbrandschule nicht springen, weil er akute Probleme mit zwei Weisheitszähnen hatte.

Der WM-Teilnehmer von Daegu hatte das Meeting im letzten Jahr mit 2,21m gewonnen. Daher sah es der Sympathieträger auch als eine Art Verpflichtung an, sich dem Publikum zu präsentieren. „Ich bin 2011 gerne in Clarholz gesprungen, weil man dort aufgrund der Überschaubarkeit der Halle eine Wohnzimmer-Atmosphäre vorfindet. Am kommenden Donnerstag lasse ich mir die Zähne ziehen. Dann werde ich versuchen, die Hallensaison voll durchzuziehen,“ erklärte Onnen, dessen großes Ziel in diesem Winter die Teilnahme an den Hallen-Weltmeisterschaften vom 9. bis 11. März in Istanbul ist.

Wenn die Wunden schnell verheilt sich, möchte Eike Onnen am 18. Januar in Hannover und am 21. Januar in Wuppertal bereits wieder in das Wettkampfgeschehen eingreifen. „Mein bisheriges Wintertraining ist einschließlich meines zehntägigen Trainingslagers auf Gran Canaria hervorragend verlaufen, und ich befinde mich abgesehen von den Zähnen in einer guten Verfassung,“ versicherte er.

2012 steht für den 29-jährigen Hannoveraner vor allem die Olympia-Teilnahme im Fokus. Die Vorzeichen sind gut, denn er hat inzwischen sein Abitur am Abend-Gymnasium bestanden und kann sich nun ganz auf den Sport konzentrieren. Im Oktober 2012 hofft er dann, bei der Polizei eine Ausbildung zu absolvieren.

Durch das Fehlen von Eike Onnen war bei den Männern der Weg frei für den niederländischen Meister Douwe Amels der 2,15m meisterte und damit den Slowaken Michal Durkac (2,12m) und den Leverkusener Kai Schiffer, der als bester Deutscher mit 2,09m seine persönliche Hallen-Bestleistung um vier Zentimeter verbesserte, bezwang.

„Aufgrund der hervorragenden Stimmung in der Halle war das ein Top-Wettkampf.,“ freute sich der 20-jährige Jura-Student aus den Niederlanden, der Bestleistungen von 2,16m in der Halle und 2,18m im Freien hat.

Sehr zufrieden mit seiner Leistung zeigte sich auch der von Sebastian Kneifel gecoachte Kai Schiffer: „Nach meinem Armbruch und meiner Partella-Sehnen-Entzündung hoffe ich, dass es in diesem Jahr wieder mit mir aufwärts geht.“

Bei den Damen lag die Zweite der niederländischen Meisterschaften, Marije Langen, mit 1,82m vor Nadja Kampschulte (1,79m) und Nele Hollmann (1,76m), die beide ihren Einstand im Trikot des TV Wattenscheid gaben.

„Ich bin unwahrscheinlich happy, dass ich heute gewonnen habe, denn hinter mir liegt eine schwere Zeit von einigen Verletzungen,“ strahlte die 25-jährige Springerin von ARV Ilion, die vergangenen Jahr 1,81m überquerte.

 

Nadja Kampschulte ein Stammgast

 

Nadja Kampschulte ist beim Clarholzer Meeting inzwischen ein Stammgast. 2007 siegte sie dort in der Jugendklasse U 16 mit 1,66m. Seitdem konnte sie sich immer im Vorderfeld platzieren. In den letzten beiden Jahren war sie jeweils Zweite bei der weiblichen Jugend U 20 mit 1,76m.

Nadja Kampschulte fühlt sich in Clarholz immer rundum wohl: "Zum Einstieg in die Saison ist das immer ein schöner Wettkampf für mich. Es ist in Clarholz alles überschaubar, und die gute Atmosphäre motiviert mich zusätzlich."

Die 1,82m hätte sie noch gerne übersprungen, doch gegen Ende des Springens fehlte ihr die Konzentration: „Die ersten Sprüngen war gut, denn ich befinde mich erst seit Ende November wieder im Technik- Training. Was noch fehlt, muss ich in den nächsten Wochen erarbeiten,“ betonte die Schülerin von Brigitte Kurschilgen, die 2012 erst einmal ihre Leistung von 1,88m stabilisieren möchte. „Vielleicht geht es dann noch weiter in Richtung 1,90m. Höher möchte ich aber mein Ziel nicht stecken,“ gibt sich die Dritte der U 20-EM realistisch. 2012 möchte sie sich in erster Linie auf ihr bevorstehendes Abitur konzentrieren.

Ihre Teamkollegin Nele Hollmann hatte ihren Anlauf um zwei Schritte verlängert, so dass sie noch das richtige „Timing“ fand. „Die Höhe war schon da. Daher bin ich mit meiner Vorstellung nicht unzufrieden,“ befand die dreifache deutsche Jugendmeisterin.

 

Laura Voß über 1,82m

 

Höher als Nadja Kampschulte und Nele Hollmann sprang im Vorsprung die deutsche B-Jugendmeisterin Laura Voß (LAZ Soest) mit ausgezeichneten 1,82m. „Sie ist unwahrscheinlich sprunggewaltig. Von ihr werden wir sicherlich noch einiges hören,“ zeigte sich Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen begeistert.

Dass man Leichtathletik auch in kleineren Orten präsentieren kann, unterstrich das Clarholzer Hochsprung-Meeting. So wird die tolle Atmosphäre in der Halle an der Wilbrandschule allen Beteiligten sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben, denn das Springen mit Musik in Verbindung mit dem rhythmischen Klatschen der Zuschauer hatte etwas Besonderes und bildete eine echte Werbung für die Leichtathletik.

 

Peter Middel

 

 

Bildzeilen

 

1. Nadja Kampschulte beginnt Hallensaison mit 1,79m.

 

2. Marije Langen war unwahrscheinlich "happy".

 

3. Die drei erstplatzierten Männer: Michal Durkac, Douwe Amels und Kai Schiffer (von links)

 

4. Aufmerksame Beobachter: Andreas Liesemann (Kreissparkasse Clarholz), Siegfried Klapper (Cheforganisator) und Jürgen Lohmann (Bürgermeister, von links)

 

5. Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen gibt Nele Hollmann Tipps.

 

Von: Peter Middel