Downloads | Kontakt | Impressum | Sitemap

BayWa Cup

BIG streetsoccer tour

Krombacher Pokal

FLVW Fairplay-Sieger

Ticketing DM 2012

Direktlinks

SportCentrum

DFB-Aktionen


Teambook

Gratwanderung zwischen Traum und Trauma

24.11.2011

Jarosch, Schnitzerling, Singh. Das lippische Fräuleinwunder hat auch auf Prof. Dr. Wolf- Dietrich Brettschneider Eindruck hinterlassen. „Detmold und der lippische Süden sind derzeit ein Mekka des Jugend-Leistungssports“, so seine These. Der renommierte Sportwissenschaftler ging gestern Abend auf Einladung der LG Lippe-Süd in der Sparkasse Detmold der schwierigen Frage nach, ob Leistungssportkarrieren im Jugendalter ein Entwicklungstunnel oder ein Gewinn fürs Leben sind.

Prof.Wolf-Dietrich Brettschneider

Ein klares Jein. „Verallgemeinernde Aussagen gibt es nicht“, stützt sich Brettschneider auf empirische Befunde. Leistungssport habe weder durchgängig positive noch negative Effekte auf die Gesamtentwicklung junger Athleten.„Es ist keine biografische Falle, aber auch kein Wundermittel für Persönlichkeitsentwicklung.Leistungssport ist eine riskante Chance und bleibt eine Gratwanderung zwischen Traum und Trauma. Automatismen gibt es nicht.“

Eine Einschätzung, die sich auch in einer Talkrunde widerspiegelte. Frank Schröder (Radio Lippe) hatte mit Speerwurf- Europameisterin Linda Stahl, der vierfachen deutschen Meisterin im Turnen, Stefanie Gutzeit, geb. Tautz, sowie Weltklasse-Siebenkämpferin Claudia Tonn die lippische Vorgängergeneration von Jarosch, Schnitzerling und Singh um sich versammelt.„Seit ich 2006 mit meinem Medizinstudium begonnen habe, kenne ich nichts anderes als Stress. Täglich 140km auf der A1 sind nicht immer angenehm“, berichtete die NRW-Sportlerin 2010, die nach fünf Powerjahren in dieser Saison „die Quittung bekommen“ hat. Stahl: „Jetzt gehe ich regelmäßig in die Uni und lade meinen Akku auf.“ Claudia Tonn, Olympiateilnehmerin 2004in Athen, berichtete, dass ihr die sportlichen Erfolge bei ihren Bewerbungen nicht geholfen hätten. Dennoch würde sie ihren sportlichen Weg weiter empfehlen. Tonn: „Der Charakter wird geformt und man wird belastbar. Wenn man ein gutes Netzwerk neben dem Sport hat, ist vieles möglich.“ Stefanie Gutzeit erlebt als dreifache Mutter und Lehrerin derzeit vieles noch einmal. Ihre elfjährige Tochter turnt im Bundeskader. „Dennoch muss ich auch als Mama reagieren“, sagt Gutzeit, die beobachtet hat, dass leistungssportlich orientierte Jugendliche „viel organisierter und selbständiger“ leben. Dem komplexen Beziehungsgefüge zwischen Eltern und Kindern hatte sich auch Brettschneider gewidmet. Dort war die Rede vom „Engels- und Teufelskreis“.

LG-Vorsitzender Wilfried Starke sagte Prof. Dr. Brettschneider, den drei Athletinnen und Katrin Dröge, die seitens der LG mit großem Engagement die Veranstaltung vorbereitet hatte, mit Blumen und dem LG-Kalender 2012 herzlichen Dank. Gemeinsam zogen Hans-Joachim Dörrer, Leiter des Turn-Leistungszentrums Detmold und gleichzeitig „Turn-Vater“ von Nadine Jarosch, und Wilfried Starke ein kurzes Resümee: „Wenn Prof. Brettschneider im Zusammenhang mit dem Listungssport im Jugendalter von einer ‚riskanten Chance’ spricht, dann ist es unser Anliegen und unser Bemühen, die Chancen für die Jungen und Mädchen zu maximieren, das mögliche Risiko hingegen zu minimieren. Wir möchten alle, die in diesem Bereich Verantwortung tragen und Unterstützung gewähren, herzlich bitten, hierzu beizutragen."

 

Von: Jörg Hagemann